Centrair 201: Strömungsabriss bei Landung in Gegenrichtung nach Seilriss

Graulhet-Montdragon, France Centrair 201

In Graulhet-Montdragon wurde ein Centrair 201-B Marianne bei einer Landung in Gegenrichtung zerstört; keine Verletzten. Pilot und Passagier waren im Windenstart, als das Seil in rund 80 m AGL aus unbekanntem Grund riss. Nach Ausklinken und Pitch-down (100 auf 70 km/h, langsame Wiederbeschleunigung) hielt der Pilot geradeaus Landen für nicht möglich und entschied eine 180-Grad-Umkehr. Der Centrair trieb nordwärts, geriet in Sinken und kam zu tief für die Graspiste. Beim Anflug auf die Asphaltpiste mangelnde Steuerwirkung; Strömungsabriss, Aufschlag, 100 m Rutsche; Rumpf brach.

  1. Doppelsitzer-Windenstart von Piste 27: Centrair 201-B „Marianne“ in Graulhet-Montdragon (Tarn). Pilot 58 Jahre, SPL mit ~300 h Segelflug (36 h in den letzten 3 Monaten); Windenstartausbildung in Graulhet abgeschlossen im Juni 2022, Lehrerbefähigung seit August 2022, ~40 Windenstarts seit der Ausbildung. Zusätzlich ATPL(A) mit ~7.300 h Flugzeit auf Motorflugzeugen. Passagier an Bord. Windenstart von der unbefestigten Piste 27 (810 × 50 m). Wetter: Wind 330°/11 km/h mit Böen bis 22 km/h, CAVOK, 23 °C. Hubschrauber (NH90, EC665) am Pistenrand.
  2. Seilriss auf ~80 m Höhe: Während des Anfangssteigens auf etwa 80 m (FLARM zeigte Spitzenwert 109 m) riss das Windenseil plötzlich. Untersuchung: Das Seil brach 130 mm vom segelflugzeugseitigen Knoten entfernt; der Bruchmechanismus konnte nicht bestimmt werden. Zusätzlich wies das Seil 250 mm vom fallschirmseitigen Knoten eine Verschleißzone auf.
  3. Ausklinken, Drücken (100 → 70 km/h): Der Pilot klinckte sofort aus und drückte das Höhenruder, um Fahrt aufzunehmen. Die Fahrt fiel von ~100 km/h auf ~70 km/h; der Pilot empfand die Fahrtaufnahme als „sehr lang“. Die optimale Anfluggeschwindigkeit (VOA) für den Typ betrug 100 km/h.
  4. Langsame Fahrtaufnahme, Abdrift nach N: Während der Fahrtaufnahme driftete das Segelflugzeug nördlich der Pistenachse. Lagebeurteilung des Piloten: zu wenig Piste voraus für eine Geradeauslandung; zu hoch für das Feld in Verlängerung der Pistenachse; zu niedrig für eine verkürzte Platzrunde; die Hubschrauber am Pistenrand erhöhten das Risiko auf dieser Seite. Den Hubschrauber-Faktor hatte der Pilot vor dem Start nicht in die Notfallplanung einbezogen.
  5. 180°-Kehre zur Gegenrichtungslandung: Der Pilot setzte den Nordversatz fort und drehte links zurück zum Flugplatz, um in Gegenrichtung zu landen. Das CNVV-Windenstarthandbuch empfiehlt unter 100 m die Geradeauslandung, über 200 m eine verkürzte Platzrunde, zwischen 100 und 200 m liegt die Entscheidung beim Piloten. Die Ausklinkhöhe lag am unteren Ende dieses Bereichs.
  6. Sinkströmung, zu niedrig für Grasfeld: In der Kehre öffnete der Pilot kurz die Bremsklappen; sie fuhren sofort aus und wurden wieder eingefahren. Querab zur Piste geriet das Segelflugzeug in Sinkströmung. Der Pilot erkannte, dass die Höhe nicht mehr für das Grasfeld reichte.
  7. Abfangen auf Asphaltpiste, Kontrolle weg: Der Pilot richtete sich zur asphaltierten Piste aus. Beim Abfangen spürte er fehlende Steuerreaktionen und hatte keine Zeit, die Fahrt zu kontrollieren. Das Segelflugzeug hatte kurz vor dem Boden wahrscheinlich einen Strömungsabriss.
  8. Strömungsabriss, Schleifen über 100 m: Das Segelflugzeug setzte mit Hauptrad und linker Tragfläche auf und schliff rund 100 m in Richtung Abstellplatz. Der Rumpf brach. Luftfahrzeug zerstört; beide Insassen unverletzt. Die Seilkonfiguration entsprach nicht den CNVV-Empfehlungen (fehlender 3-m-Avançon zwischen TOST-Ring und Sollbruchpaket); dieser Umstand war für den Unfallablauf nicht ursächlich, barg jedoch das Risiko, dass die Schlinge bei einem Sollbruch ohne Kabelauslösung mit dem Leitwerk interferiert.
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