ASK21: Strömungsabriss im Rückkehrversuch nach Ausklinken auf Anforderung

Sarreguemines-Neunkirch, France Alexander Schleicher ASK 21

In Sarreguemines-Neunkirch verunglückte eine ASK 21 beim Schulungsschlepp; eine Person an Bord wurde schwer verletzt, die ASK 21 zerstört. Es war der erste Doppelsitzer-Schlepp mit der neuen Vereins-DR400-180 (die Rallye war ausgefallen), ohne vorgeplante Notlandungs-Trajektorien. Der Fluglehrer saß hinten, Sicht durch den großen Schüler verdeckt; das Schleppflugzeug erreichte bei Pistenmitte nur 90 km/h statt erwartet 115 und forderte Ausklinken. Der Fluglehrer klinkte in rund 10 m AGL aus und drehte ohne Sicht nach links zur Motorflugpiste. Strömungsabriss in der niedrigen Halbkurve bei etwa 80 km/h.

  1. Erster Doppelschlepp mit DR400-180: Schleicher ASK21 an einem Schulungstag zu Saisonbeginn in Sarreguemines-Neunkirch (Moselle). Doppelsitzer-Schulungsflugzeug, maximale Startmasse 600 kg, Tagesmasse ca. 582 kg. Besatzung: Fluglehrer (70 J., PPL Motorflug 1971, Segelflugschein 1969, Schlepplizenz seit 1971, Segelfluglehrer seit 2015, ca. 1.810 h Segelflug) auf dem hinteren Sitz; Flugschüler (51 J., Segelflugschein seit Nov. 2020, ca. 51 h Segelflug) auf dem vorderen Sitz — der Schüler gab an, die Steuerung während des Unfallfluges nicht berührt zu haben. Wetter: Wind 210°/19 km/h, CAVOK, 16 °C.
  2. Rallye defekt, DR400-180 eingesetzt: Das vereinseigene MS893 Rallye hatte nach dem ersten Schlepp des Tages einen Batteriefehler. Der Verein wechselte auf eine DR400-180, die er ca. 7 Monate zuvor erworben hatte. Die DR400 war von einem deutschen Verein ca. 2.500 Betriebsstunden für Schleppflüge genutzt worden; seit dem Erwerb hatte der Verein Sarreguemines sie ausschließlich für Navigations- und Lokalflüge verwendet, nie für Schleppflüge. Der Unflugflug war der erste Doppelschleppflug des Vereins mit dieser DR400 von diesem Platz. Der Schleppilot (68 J., Segel-/Motorflug- und Lehrerlizenz, ca. 504 h Motorflug / 8.200 h Segelflug) war an diesem Tag nicht eingeteilt; er war das einzige auf die DR400 eingewiesene Vereinsmitglied und übernahm die Schleppflüge.
  3. Keine Ausklink-Verfahren festgelegt: Der Verein hatte keine spezifischen Verfahren oder Flugwege für den Fall eines Ausklinkers beim DR400-Start festgelegt. Vor dem Flug: kurze mündliche Absprache, dass der Fluglehrer auf Anfrage des Schleppiloten ausklinken würde; keine vereinbarten Abflug- oder Stopptrajektorien. Der Schleppilot hatte weder eine Masse-/Schwerpunktberechnung noch eine Startlängenberechnung durchgeführt; der Außenspiegel war zum Widerstandsabbau für Navigationsflüge demontiert und nicht wieder montiert worden.
  4. Fluglehrer hinten, Sicht versperrt: Der Fluglehrer übernahm den Start vom hinteren Sitz, mit der Absicht, die Steuerung im Anfangssteigflug an den Schüler weiterzugeben. Der große Schüler auf dem Vordersitz versperrte dem Fluglehrer die Vorwärtssicht — er konnte das Schleppflugzeug und die verbleibende Startbahnlänge nicht klar erkennen.
  5. Schleppgeschw. 90 statt 115 km/h: Der Segler hob bei 90 km/h ab, noch vor dem Restaurant (visuelle Referenz in Bahnmitte). Auf Höhe des Restaurants sah der Schleppilot nur 90 km/h statt des beim Rallye verwendeten Rotationsreferenzwerts von 115 km/h. Er fragte per Funk, ob der Segler abgehoben habe, und bat den Fluglehrer dann, ohne eine Antwort abzuwarten, das Seil auszuklinken.
  6. Ausklinken, Linkskurve zu RW 05R: Der Fluglehrer klinkte aus. Besorgt, in den Schlepper zu fliegen, falls dieser einen Startabbruch eingeleitet habe, und über das Ausrollen in einen Graben ca. 290 m hinter dem Bahnende, leitete er instinktiv bei ca. 10 m AGL eine Linkskurve ein, um in Gegenrichtung auf der parallelen Motorflugbahn 05R zu landen. Zu Beginn der Kurve hatte der Segler noch ca. 240 m Bahn vor sich und ca. 80 km/h Grundgeschwindigkeit.
  7. Strömungsabriss in Rückkehrkurve: Der Fluglehrer spürte, wie der Segler in der Kurve beim Durchlaufen der Querwindkomponente (geschätzt 10–15 km/h) in den Strömungsabriss geriet. Die Uberziehgeschwindigkeit der ASK21 laut Flughandbuch beträgt 74 km/h; der Segler befand sich bei ca. 80 km/h, wobei die Querwindkomponente die wirksame Fahrt während der Schräglage reduzierte.
  8. Bodenaufprall, Heckausleger bricht: Linker Flügel und Nase berührten den Boden; der Heckausleger brach vollständig vom Hauptrumpf ab. Der Segler kam auf der Motorflugbahn zum Stillstand, Nase nach Nordwesten. Eine Person schwer verletzt. BEA-Faktoren: (i) keine vorher festgelegten Ausklinkverfahren; (ii) unzureichende Vorbereitung auf den ersten Doppelschlepp mit der DR400-180 von diesem Platz; (iii) Start mit Fluglehrersteuerung vom hinteren Sitz bei eingeschränkter Vorwärtssicht; (iv) Halbkreis in niedriger Höhe und bei geringer Geschwindigkeit.
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