Ungesicherter Höhenruderanschluss; ASW 20 F stürzt beim Start ab

Bailleau-Armenonville, France Centrair ASW 20

Bei einem Wettbewerb in Bailleau-Armenonville verunglückte eine Centrair ASW 20 F beim Start; der Pilot wurde schwer verletzt, das Flugzeug zerstört. Er hatte am Vortag außengelandet; die ASW 20 wurde am Unfallmorgen mit Hilfe einer musterunkundigen Person aufgerüstet, das L'Hotellier-Höhenruder-Gelenk wahrscheinlich ohne Splint montiert. Nach dem Start hüpfte sie mehrfach, kippte am Pistenende über 30 Grad Nase oben und stieg auf etwa 35 m; der Pilot klinkte aus und stürzte rund 70 m vor Schwelle 18 ab. Das getrennte Gelenk erklärt den Höhenruderausfall — alternativ Verschleiß plus Aufsetzer möglich.

  1. Schleppstart beim Wettbewerb: Centrair ASW 20 F (Baujahr 1979, ca. 2.300 h gesamt). Pilot 25 Jahre, SPL seit 2017 mit Schlepp- und Windenstartberechtigung, ca. 1.000 h gesamt; Eigentümer des Seglers seit 2021 und vertraut mit den Risiken einer fehlerhaften Höhenruder-Montage bei diesem Muster. Der Pilot nahm an den Französischen Segelflug-Nationalmeisterschaften in Bailleau-Armenonville (Eure-et-Loir, 27. Mai – 3. Juni 2023) teil. Schleppstart ca. 13:05 Uhr ab Piste 36 (unbefestigt, 780×100 m). Wetter: NE-Wind 9 kt, 22 °C, CAVOK.
  2. Wiederaufbau am Unfalltag: Der Pilot hatte am Vortag (2. Juni) außengelandet und den Segler abgerüstet. Am Unfalltag (3. Juni) wurde der Segler mit Hilfe einer weiteren Person wieder aufgebaut.
  3. Helfer mit dem Muster nicht vertraut: Die beim Wiederaufbau assistierende Person kannte dieses Segelflugmuster nicht. Der Pilot gab an, dem Helfer den Aufbau „im Detail“ gezeigt zu haben. Er war sich des Montagerisikos bewusst – die Wettbewerbsorganisatoren hatten die Piloten dreimal (im Briefing, per WhatsApp und auf dem Platz vor dem Start) darauf hingewiesen, die Steuerwerk-Verbindung zu prüfen; dies war der einzige teilnehmende Segler mit manueller statt automatischer Höhenruderverbindung.
  4. L'Hotellier-Gelenk, kein Sicherungsstift: Das Höhenruder der ASW 20 F verwendet ein L'Hotellier-Kugelgelenk mit manuellem Verschluss. Ein Sicherungsstift (goupille) kann eingesetzt werden, um ein versehentliches Lösen zu verhindern. Der Pilot gab an, den Sicherungsstift nie verwendet zu haben; der Hersteller schreibt ihn nicht vor, doch LBA (1993), FAA, Niederlande, Norwegen und Australien haben ihn zur Pflicht gemacht. Der Sicherheitscheck des Piloten erfolgte nur visuell (Prüfen der Bohrung im Verschluss) – BEA zeigte, dass dies unzureichend ist: Der Kugelteil kann teilweise eingeführt sein, während die Bohrung noch sichtbar ist.
  5. Abnormaler Gelenkverschleiß: BEA-Untersuchung: Der Kugelkopf wies eine Abflachung (méplat) an der Kontaktfläche mit dem Sitz auf; die Formabweichung betrug ca. 0,3 mm – dreimal den in den L'Hotellier-Wartungsanweisungen (IMA 10.01) genannten Grenzwert von 0,1 mm. Der Verschleiß war bei der letzten Jahresinspektion nicht erkannt worden. Das Kugelgelenk war seit über 30 Jahren eingebaut – weit jenseits des 2009 von L'Hotellier eingeführten Austauschintervalls von 10 Jahren / 3.000 Starts. Dieses aktualisierte Kriterium war den Betreibern der ASW 20 F jedoch nie mitgeteilt worden (es wurde in Pégase-Handbücher aufgenommen, nicht jedoch in die der ASW 20 F).
  6. Höhenruder-Gelenk löst sich beim Start: Während des Startlaufs hüpfte der Segler mehrfach und setzte hart auf. Am Ende der Piste hob sich die Nase plötzlich auf mehr als 30° an; der Pilot versuchte, vorwärts zu drücken, doch das Höhenruder „reagierte nicht mehr“. Der Segler stieg auf ca. 35 m, ca. 20 m über dem Schlepper. BEA-Szenario: Das Gelenk war beim Aufbau mit hoher Wahrscheinlichkeit unvollständig eingerastet (Einführen ohne Verriegeln möglich); jedoch können auch der abnormale Verschleiß in Kombination mit den Startsprüngen eine Trennung im Flug verursacht haben – keines von beidem ließ sich ausschließen.
  7. Ausklinken auf ca. 35 m: Auf ca. 35 m Höhe klinkte der Pilot das Schleppseil aus. Zeugen sahen den Segler anschließend sinken und beobachteten das Ausfahren der Wölbklappen. Der Pilot gab an, die Klappen in Minusstellung gesetzt zu haben, um „ein Nickmoment aufzubauen“ und den Bodenaufprall zu mildern, dann kurz vor dem Aufprall in Plusstellung.
  8. Unkontrolliertes Absacken, Absturz: Der Segler prallte heftig auf den Boden und kam ca. 70 m von der Schwelle 18 zum Stehen. Das Cockpit war durch den Aufprall beschädigt; das Höhenruder-Kugelgelenk zwischen dem vertikalen Steuergestänge und dem Höhenruder wurde getrennt vorgefunden; Bremsklappen ausgefahren; Wölbklappen in Plusstellung, genaue Stellung nicht bestimmbar. Pilot schwer verletzt. Schlepppilot landete ohne Zwischenfall. BEA-Sicherheitsempfehlungen: AESA soll den Sicherungsstift an L'Hotellier-Steuergelenken für Pflichtausrüstung erklären (FRAN-2025-002); ordnungsgemäße Weitergabe von L'Hotellier-Wartungsupdates an Musterzulassungsinhaber sicherstellen (FRAN-2025-003, -004). Die FFVP hat nach dem Unfall ein Sicherheitsbulletin herausgegeben, das Sicherungsstifte vorschreibt; Centrair hat das Flughandbuch der ASW 20 F entsprechend geändert.
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