LS6 schlägt in Baumwipfel nach Flug mit vermutlich ausgefahrenen Bremsklappen

Mons, France Rolladen-Schneider LS6

Eine LS6 18w berührte die Baumwipfel 14 km nordwestlich von Fayence; der Pilot blieb unverletzt, das Flugzeug wurde schwer beschädigt. Mit Ziel 750-km-Strecke klinkte er in rund 1.930 m bei Mont Lachens aus. Sinkraten von -6,8, -7 und -9,3 m/s über Bergrücken passten zur LS6 mit ausgefahrenen Bremsklappen und Fahrwerk (Gleitzahl etwa 7 statt 48). Der Pilot schrieb das Sinken der Aerologie zu, prüfte die Bremsklappen nicht und flog am Sicherheitslandeplatz La Chapelle vorbei. Inspektion: 15 cm Ast im rechten Bremsklappenschacht, Hebel eingefahren, aber nicht verriegelt — bei der LS6 fahren die Klappen bei unverriegeltem Hebel selbsttätig aus.

  1. Schleppflug zur Westflanke Lachens: Lokaler Gebirgssegelflug von Fayence (Var), Startbahn 10L. Schleppflug hinter einer Piper PA-25 Pawnee 235 PS; Steigrate normal mit ca. 3 m/s. Pilot 74 Jahre, Segelflugschein seit 2003 (Lehrerlizenz 2015, nicht mehr aktiv lehrend seit 2022), ca. 2.200 h gesamt / ca. 1.870 h PIC / 23 h auf Muster in den letzten 3 Monaten. Mit Fayence und Gebirgsflug vertraut; hatte in den vorangegangenen zwei Wochen zwei Streckenflüge ≥5 h mit diesem Segler durchgeführt. Der Pilot wirkte „aufgeregt und entschlossen“, einen langen Flug zu unternehmen. Wetter: S/SE- bis S/SW-Wind 9–19 km/h (Böen 28 km/h), CAVOK, leichte bis mäßige Tiefflug-Turbulenz südlich der Unfallstelle.
  2. Ziel: 750 km Streckenflug: Der Pilot plante einen 750 km Streckenflug, sofern die Bedingungen dies erlaubten. Dies erklärt den Entschluss, trotz verschlechterter Leistung weiterzufliegen. BEA-Faktor.
  3. Bremsklappen öffnen ungesichert: Ausklinken ca. 1.930 m nahe der Westflanke des Mt Lachens um 10:55:19. Bei der LS6 18w muss der Bremsklappenhebel nach rechts geschoben und mit Kraft gezogen werden, um zu entriegeln; bleibt er entriegelt (nicht gehalten), öffnen sich die Bremsklappen im Flug nach Erfahrungsberichten von selbst. Nach dem Unfall wurde der Hebel in der Stellung „geschlossen, nicht verriegelt“ vorgefunden; ein ca. 15 cm langer Ast steckte im rechten Bremsklappenspalt — ein starkes Indiz, dass die Bremsklappen während des Fluges ausgefahren waren (ob durch Verriegelungsversagen, beim Vorflugcheck übersehene Entriegelung oder unbeabsichtigte Piloteneingabe — konnte die BEA nicht bestimmen).
  4. Sofort -6,8, dann -9,3 m/s Sinken: Vom FLARM aufgezeichnete Sinkraten und Grundgeschwindigkeiten: -6,8 m/s unmittelbar nach dem Ausklinken; -7 m/s bei 120 km/h beim Queren des Kamms; -9,3 m/s bei 130 km/h beim Queren der Südflanke einer zweiten Erhebung. Diese Werte entsprechen der LS6 mit ausgefahrenen Bremsklappen und eingezogenem Fahrwerk (G/Z ca. 7 gegenüber dem Maximal-G/Z von 48 — ein Leistungsverlust von ca. 85 %).
  5. Sinken dem Wetter zugeschrieben: Der Pilot gab an, die Sinkrate der schlechten Aerologie zugeschrieben zu haben (Bedingungen, die er später als „absurd“ bezeichnete). Er schaute regelmäßig nach draußen, berichtete jedoch von nichts Ungewöhnlichem und überprüfte den Bremsklappenhebel und die Flügel trotz der extremen Sinkraten ausdrücklich nicht. BEA-Sicherheitshinweis: eine plötzliche Verschlechterung der Sinkrate ist nicht immer extern bedingt — sie kann Folge einer Piloteneingabe sein.
  6. Notlandemöglichkeit ignoriert: An Punkt 3 der Flugspur befand sich der Pilot 460 m über dem eingetragenen Notlandefeld La Chapelle (im „Guide des aires de sécurité dans les Alpes“) und ca. 2.000 m horizontal entfernt — innerhalb der Gleitreichweite auch bei dem verschlechterten G/Z von 7. Er entschied sich stattdessen, in Richtung des Vallon du Fil weiterzufliegen in der Hoffnung, Thermik zu finden. BEA-Sicherheitshinweis: wenn eine verschlechterte Leistung anhält, ist die Landung auf einem bekannten Notlandefeld eine nicht zu vernachlässigende Option.
  7. Außerhalb Gleitreichweite im Tal: Als der Pilot entschied, das Gelände zu verlassen und ins Tal zu fliegen, hatte sich das Sinken bei ca. 2,5 m/s stabilisiert, während die Geschwindigkeit weiter abnahm. Er befand sich nicht mehr in Reichweite eines vorbereiteten Notlandefeldes; bei 25 m AGL entdeckte er eine kleine Lichtung rechts seiner Flugspur und entschied, dort außenzulanden.
  8. Baumkollision, harte Landung: Bei ca. 85 km/h Grundgeschwindigkeit und ca. 50 m vor der Lichtung traf der Segler die Baumwipfel am Rand der Lichtung im Vallon du Fil und schlug anschließend hart auf. Der Pilot blieb unverletzt und konnte sich selbst in Sicherheit bringen; das Flugzeug wurde erheblich beschädigt (Rumpf gebrochen, Höhenrudersteuerung stark beschädigt). Die Unfallstelle liegt 14 km nordwestlich von Fayence.
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