Pilot einer DG-400 verliert in Hangnähe Kontrolle nach 7 h Streckenflug
Am 2. August 2004 verunglückte der Pilot einer DG-400 am Westhang des Corn Alv tödlich; das Segelflugzeug wurde zerstört. Nach dem Eigenstart in Kempten um 10:41 Uhr folgte ein Streckenflug; an den fünf Vortagen hatte er 4 bis 10 Stunden geflogen. Gegen 17:00 Uhr meldete er sich per Funk über dem San Bernardino auf 3800 m, im Rückflug übers Engadin. Der Aufprall erfolgte mit geringer Geschwindigkeit in nahezu horizontaler Fluglage, das Klapptriebwerk eingefahren. Wahrscheinlich kam es in Hangnähe zum Kontrollverlust; ein Dehydrations- und Hungerzustand trug möglicherweise zu einer Beeinträchtigung bei.
- Eigenstart Kempten zum Streckenflug: Um 10:41 Uhr startet die DG-400 im Eigenstart in Kempten zu einem ausgedehnten Streckenflug Richtung Zürich – Innsbruck.
- 5 lange Streckenflugtage zuvor: An jedem der fünf vorangegangenen Tage absolviert der Pilot Streckenflüge mit einer Flugdauer zwischen 4 und 10 Stunden — der Unfallflug folgt einer Woche dauerhaft hoher Flugbelastung.
- Turbulentes Hangumfeld: An den Tagen um den Unfall herrscht starker Nordwind, der auf der Engadinerseite kräftige Böen und Abwinde zur Folge hat (Beobachtung eines Helikopterpiloten). Flug in Hangnähe ist unter diesen Bedingungen anspruchsvoll.
- Hangflug nach 7 h in der Luft: Gegen 17:00 Uhr meldet der Pilot per Funk, er befinde sich über dem San Bernardino auf 3800 m und wolle über das Engadin nach Kempten zurückkehren. Wahrscheinlich nach rund sieben Stunden in grosser Höhe operiert er nahe einem westexponierten Hang im Val d'Agnel.
- Dehydrations- und Hungerzustand: Im Wrack finden sich weder Getränke noch Essensreste noch eine Kopfbedeckung. Die Autopsie hält einen ausgeprägten Dehydrations- und Hungerzustand fest — Befunde, die mit einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Flugtauglichkeit vereinbar sind.
- Wahrscheinlicher Kontrollverlust: Im turbulenten Hangumfeld und wahrscheinlich unter dem Einfluss von Ermüdung und Dehydration verliert der Pilot in geringer Höhe über dem Gelände die Kontrolle über das Segelflugzeug.
- Aufprall am Westhang des Corn Alv: Die DG-400 trifft am Westhang des Corn Alv auf 2829 m mit relativ kleiner Fluggeschwindigkeit und in annähernd horizontaler Fluglage auf eine Felspartie. Der Pilot wird tödlich verletzt; das Segelflugzeug wird zerstört. Die Wrackuntersuchung ergibt keine vorbestandenen technischen Mängel.