Discus CS streift Betonmauer bei später Aussenlandung

Porza, Switzerland Schempp-Hirth Discus CS

Bei einer Aussenlandung auf einem Schiessstand wurde der Pilot eines Discus CS schwer verletzt; das Segelflugzeug wurde zerstört. Auf dem Rückflug aus dem Veltlin verlor der Discus entlang des Luganersees stetig an Höhe und passierte die bekannten Aussenlandefelder bei Caiolo, Somaggia und Porlezza. Am Monte Brè lag die Flughöhe unter 600 m MSL; der Flughafen Lugano wäre ohne Abwinde erreichbar gewesen, doch der Pilot drehte nach Norden. Nach einem tiefen Vollkreis über Siedlungsgebiet traf die rechte Flügelspitze im Anflug eine 5.4 m hohe Betonmauer. Ursächlich war das Ausbleiben einer rechtzeitigen Entscheidung für Flugweg und Landeoption.

  1. F-Schlepp aus San Vittore: Der Pilot startete im Flugzeugschlepp auf der Piste 26 in San Vittore zu einem Streckenflug in den Südalpen. Er hatte rund 520 h auf Segelflugzeugen mit etwa 360 h auf dem Muster und 21 h in den letzten 90 Tagen. Nach dem Ausklinken auf rund 1 870 m MSL bei Parusciana stieg er an der Südwestflanke des Pizzo Sasso Canale bis auf etwa 3 800 m MSL und flog in östlicher Richtung an den Südhängen des Veltlins entlang.
  2. Ostkurs bis NÖ Tirano, dann Rückflug: Rund 5,6 km nordöstlich von Tirano kehrte der Pilot auf etwa 1 880 m MSL um. Der Rückflug erforderte zeitweise tiefes Fliegen mit einer minimalen Höhe von rund 1 610 m MSL, bevor am Sasso Manduino noch etwa 2 935 m MSL erreicht wurden. An der Südwestflanke des Pizzo Sasso Canale lag die Rückflughöhe nur noch bei rund 2 150 m MSL — weit unter den auf dem Hinflug erreichten 3 800 m MSL.
  3. Bekannte Aussenlandefelder umgangen: Entlang der Route lagen mehrere bekannte Aussenlandeoptionen: der Flugplatz Caiolo im Veltlin, der UL-Flugplatz Somaggia nördlich des Lago di Mezzola, die in Segelfliegerkreisen als „Bermuda-Dreieck“ bekannten Felder zwischen Adda und Lago di Mezzola sowie zwei geeignete Felder in der Ebene von Porlezza (rund 300–350 m lang, hindernisfrei). Der Pilot hatte die Option Bermuda-Dreieck im Vorfeld besprochen, entschied sich aber für keines dieser Felder.
  4. Vier Vollkreise nördlich Porlezza: Nördlich von Porlezza führte der Pilot vier Vollkreise aus, ohne dabei wesentlich Höhe zu gewinnen, und befand sich anschliessend auf weniger als 1 100 m MSL — rund 800 m über der Ebene von Porlezza. Von dort wäre die Ebene von Lugano ohne Abwinde noch erreichbar gewesen, weshalb der Pilot in westlicher Richtung weiterflog.
  5. Am Monte Brè Rechtskurve nach Norden: Beim Anflug auf den Monte Brè lag die Flughöhe unter 600 m MSL — rund 330 m über dem Luganersee und etwa 490 m tiefer als auf einem vergleichbaren Flug im Vorjahr. Aus dieser Höhe wären ein direkter oder gekröpfter Gleitflug zum Flughafen Lugano oder eine Notlandung auf dem Luganersee noch möglich gewesen. Der Pilot leitete stattdessen eine Rechtskurve nach Norden ein und flog von diesen Optionen weg über besiedeltes Gebiet.
  6. Tiefkreis über Siedlungsgebiet: Über dem Südhang des Monte Brè führte der Pilot in geringer Höhe einen Linksvollkreis über Wohngebiet aus und drehte anschliessend in eine Rechtskurve zum Gelände des Schiessstandes Ressiga ein.
  7. Ungeeignetes Aussenlandefeld: Die rechteckige Landewiese war rund 30 m breit und 150 m lang und auf allen vier Seiten durch Hindernisse begrenzt: auf der Anflugseite durch 2 m hohe Holzstapel und eine 5,4 m hohe Betonmauer, am Ende durch einen Wassertümpel, links durch Bäume und rechts durch einen überwachsenen Zaun. Im Endanflug standen vier 30–50 m hohe Kräne, die kurz vor dem Aufsetzen eine Richtungskorrektur von mindestens 30° erzwangen und ein Aufsetzen unter Minimalfahrt verunmöglichten.
  8. Flügelspitze trifft 5.4 m Betonmauer: Im Anflug kollidierte die rechte Flügelspitze mit der 5,4 m hohen Betonmauer; ein rund 1,5 m langes Flügelendstück brach ab. Die Rumpfnase schlug am Boden auf, und das Segelflugzeug kam in Rückenlage gegen einen der Holzstapel zum Stillstand. Das Cockpit wurde zerstört, der Rumpf brach in zwei Teile; Gurte und Notsender hielten der Belastung stand. Der Pilot erlitt schwere Kopfverletzungen. Am Wrack wurden keine technischen Mängel festgestellt. Ursächlich war die Kollision im Anflug auf einen Aussenlandeplatz; das Ausbleiben einer rechtzeitigen Entscheidung für eine sichere Flugweg- oder Landeoption trug zum Unfall bei.
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