DG-800 überzieht im Windenstart in nahezu senkrechter Lage; Sitz rutscht zurück
Beim Windenstart in Mollis verunglückte der Pilot einer DG-800 tödlich, als das Segelflugzeug nach Strömungsabriss aus ca. 40 m AGL senkrecht auf den Flugplatz prallte und zerstört wurde. Es hob früh ab, ging abrupt und zu steil in den Steigflug über und hing immer steiler am Seil; in nahezu senkrechter Lage klinkte die Schwerpunktkupplung selbsttätig aus, und die DG-800 kippte über den rechten Flügel ab. Der Pilot startete nach 15-monatiger Pause erstmals an der Winde auf dem Muster und rutschte wahrscheinlich gegen die gekürzte Rückenlehne nach hinten, was die Steuerführung einschränkte. Eine Föhnscherung könnte beigetragen haben.
- Windenstart auf Piste 01: Nach einem Vormittag mit routinemässigem Windenbetrieb in Mollis (LSMF) auf Piste 01 bei leichtem Nordostwind stand die DG-800 S für den einsitzigen Windenstart bereit. Eine sorgfältige Vorflugkontrolle einschliesslich Ruderprobe war ohne Befund abgeschlossen.
- Geringes aktuelles Windentraining: Der Pilot verfügte über rund 369 h Gesamterfahrung und 52 h auf dem Muster, hatte jedoch in den letzten 90 Tagen auf dem Unfallmuster nicht geflogen. Nach einer Trainingsunterbrechung von rund 15 Monaten führte er im Vormonat einen einzigen Windenstart auf einer DG-300 durch. Es war sein erster Windenstart überhaupt auf einer DG-800.
- Gekürzte Rückenlehne vom Vorhalter: Die Rückenlehne war vom vorherigen Halter für eine Körpergrösse von 186 cm umgebaut und rund 26 cm hinter der vordersten Werksposition befestigt worden. Der verunfallte Pilot war 172 cm gross und führte das im Flughandbuch vorgesehene Luftkissen zur Anpassung der Rückenlehne nicht mit.
- Pilot rutscht bei Beschleunigung zurück: Während der Vollgasbeschleunigung an der Winde rutschte der Pilot wahrscheinlich gegen die gekürzte Rückenlehne nach hinten, verlor den Kontakt zu den Fusspedalen und konnte den Steuerknüppel nicht mehr in die vorderste Position drücken. Dies passt zum frühen Abheben und zum abrupten, zu steilen Übergang in den Steigflug.
- Steigwinkel wird nahezu senkrecht: Das Segelflugzeug schien an Geschwindigkeit zu verlieren und hing immer steiler am Seil. Zeugen verglichen den Anblick mit einem Drachen, der den Wind verliert; die Längslage erreichte vor dem Strömungsabriss nahezu die Senkrechte.
- Seil klinkt an Schwerpunktkupplung aus: In der nahezu senkrechten Fluglage überschritt der Seilwinkel den geometrischen Auslösewinkel der Schwerpunktkupplung (rund 83°), und das Seil klinkte selbsttätig aus. Ein pilotenseitiges Ausklinken hätte die Situation in dieser Lage verschärft; die Analyse hält das Selbstausklinken für am wahrscheinlichsten. Der Windenfahrer unterbrach den Startvorgang nicht.
- DG-800 kippt aus 40 m über Flügel ab: In rund 40 m AGL kippte die DG-800 über die rechte Tragfläche ab und stürzte senkrecht auf das Flugplatzgelände, wobei sie mit der Rumpfspitze voran aufprallte; ein Abfangen wurde nicht mehr versucht.
- Pilot tödlich verletzt; DG-800 zerstört: Die Rettungsdienste wurden unmittelbar alarmiert und erreichten den Unfallort innert Minuten; zu diesem Zeitpunkt brach ein böiger Südföhn über das Tal herein. Der schwer verletzte Pilot erlag später im Spital seinen Verletzungen. Das Segelflugzeug wurde zerstört. Die wahrscheinliche Ursache war ein Kontrollverlust im Windenstart, der auf eine Verschiebung der Sitzposition mit eingeschränkter Steuerführung zurückzuführen war; geringes aktuelles Windentraining, keine Windenerfahrung auf dem Muster und unzureichende mentale Vorbereitung trugen bei, eine einsetzende Windscherung aus dem aufkommenden Föhn könnte die Lage verschärft haben.