LS 1-0 kollidiert im Hangflug am Klausenpass mit Gelände; Geschwindigkeit zu gering

Klausenpass, Switzerland Rolladen-Schneider LS 1-0

Am 19. Mai 2012 verunglückte ein erfahrener Pilot mit seiner LS 1-0 auf einem Überlandflug nördlich des Klausenpass tödlich. Nach Flugzeugschlepp ab Schänis erreichte er über das Engadin den Piz Linard. Auf dem Rückflug folgte er fünf Minuten den Felskanten von Jegerstöck und Glatten auf rund 2400 m/M. Der Bordrechner registrierte zuletzt Bodengeschwindigkeiten von 73 bis 82 km/h – deutlich unter den geländenah empfohlenen 87 bis 94 km/h IAS. Bei mässigem bis starkem Föhn kollidierte das Segelflugzeug mit dem Gelände und stürzte knapp 300 m eine Felswand hinab. Ein technischer Defekt war auszuschliessen; das Wrack fand sich 46 Tage später.

  1. Flugzeugschlepp Schänis + Alpen-XC: Um 11:31 Uhr startet die LS 1-0 im Flugzeugschlepp ab Schänis. Der Pilot klinkt nach rund 15 Minuten auf etwa 2600 m/M aus, steigt in einer Welle über dem Calfeisental auf über 4000 m/M, erreicht gegen 14:15 Uhr den Piz Linard auf 3400 m/M und tritt anschliessend den Rückflug über Bad Ragaz und die Churfirsten ins Glarnerland an.
  2. Langsamer Hangflug auf rund 2400 m: Auf dem Rückflug überquert der Pilot südlich von Linthal das Tal Richtung Ortstock und folgt anschliessend rund fünf Minuten den Felskanten des Jegerstöck und des Glatten auf annähernd gleicher Höhe von etwa 2400 m/M, dicht am Grat.
  3. Bodengeschwindigkeit unter Minimum: In den letzten 20 Sekunden registriert das FLARM-Gerät Bodengeschwindigkeiten von nur 73 bis 82 km/h auf einem Kurs von etwa 240°. Für geländenahes Fliegen empfiehlt die Broschüre „Sicherheit beim Gebirgssegelflug“ mindestens das 1,45-fache der Überziehgeschwindigkeit, hier eine minimale angezeigte Fluggeschwindigkeit (IAS) zwischen 87 km/h und 94 km/h. Mässiger bis starker Föhn aus Südost (Mittelwind 10 kt, Böen 20 kt) sorgt für Seitenwind.
  4. Geländekollision; 300 m Felssturz: Um 16:22 Uhr kollidiert die LS 1-0 nördlich des Klausenpass auf rund 2425 m/M mit der oberen Felskante. Anschliessend stürzt das Segelflugzeug über die Felswand und zerschellt; die Trümmer verteilen sich auf einer vertikalen Höhe von knapp 300 m über einer Felswand mit Bändern und Schluchten. Der Pilot wird tödlich verletzt.
  5. Kein Defekt; 46 Tage bis Auffinden: Die Untersuchung schliesst einen technischen Defekt aus: keine auffälligen Beschleunigungen in der Endphase, keine im Flug abgegangenen Teile, Masse und Schwerpunkt im Rahmen. Der Pilot besitzt seit 1971 die Segelfluglizenz, mehr als 3000 Flugstunden auf Segelflugzeugen, davon über 1000 auf dem Muster; gesundheitliche Beeinträchtigungen sind nicht erkennbar. Ein Notsendersignal geht nicht ein; ein Wanderer entdeckt das Wrack 46 Tage nach dem Unfall.
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