Tutor kollidiert im Kunstflug mit Standard Cirrus
Bei einer Luftkollision über Drayton wurden beide Insassen eines Grob G115E Tutor tödlich verletzt; der Pilot eines Standard Cirrus rettete sich unverletzt mit dem Fallschirm; beide Luftfahrzeuge wurden zerstört. Bei über 25 km Sicht flogen beide ohne Flugverkehrskontrolle im dichten Korridor zwischen zwei Kontrollzonen. Nach Kunstflugfiguren zog der Tutor senkrecht hoch; sein linker Flügel traf das Leitwerk des Cirrus, dessen Heck abbrach. Der Tutor trudelte, fing sich, stürzte dann steil zu Boden. Eingeschränkte Kopfbeweglichkeit minderte den Rundblick des Tutor-Piloten; bei der Kollision wurde er wahrscheinlich handlungsunfähig.
- Kunstflug-Erfahrungsflug für Kadetten: Ein Grob G115E Tutor führte einen Erfahrungsflug für einen Luftkadetten ab RAF Benson durch, in den routinemäßig Kunstflugfiguren eingebaut wurden. Ein Standard Cirrus flog eine 300-km-Streckenaufgabe. Beide verkehrten im Luftraumkorridor zwischen zwei Kontrollzonen bei gutem Wetter und einer Sicht von über 25 km.
- Rundblick des Tutor-Piloten begrenzt: Der Tutor-Pilot hatte ein langjähriges medizinisches Leiden, das die Beweglichkeit seines Kopfes einschränkte und seinen Rundblick beeinträchtigte. Bedenken hinsichtlich seines Rundblicks waren während seines Fluglehrgangs geäußert worden, wurden jedoch bei den Flug- und Cockpitprüfungen der Erfahrungsflug-Staffel nicht erkannt.
- Dichter Luftraum, nur See-and-Avoid: Die Verkehrsdichte im Luftraumkorridor war an diesem Tag sehr hoch. Keines der beiden Luftfahrzeuge wurde von der Flugverkehrskontrolle betreut. Der Tutor hatte keine Bordkollisionswarnung; das im Standard Cirrus eingebaute FLARM war nicht darauf ausgelegt, den Transponder des Tutor zu erkennen. Beide Besatzungen verließen sich auf das See-and-Avoid-Prinzip.
- Annäherung von keinem Piloten gesehen: Der Tutor näherte sich dem Standard Cirrus auf konstantem Peilwinkel. Der Cirrus war für den Tutor-Piloten wahrscheinlich vom Windschutzscheibenrahmen verdeckt; der Cirrus-Pilot erkannte den Tutor unter sich, leitete ein Ausweichmanöver ein, konnte die Kollision aber nicht mehr verhindern.
- Senkrechte Figur trifft Seitenleitwerk: Nach mindestens zwei Kunstflugfiguren zog der Tutor-Pilot in eine senkrechte Figur. Der äußere Teil des linken Tutor-Flügels traf das Seitenleitwerk und das rechte Höhenleitwerk des Standard Cirrus.
- Heck des Cirrus bricht ab: Das Heckstück des Standard Cirrus brach ab, der Cirrus wurde unsteuerbar. Der Cirrus-Pilot öffnete die Haube und rettete sich mit dem Fallschirm.
- Tutor trudelt, fängt sich, stürzt ab: Der Tutor war trotz des Kollisionsschadens grundsätzlich noch steuerbar. Er geriet wahrscheinlich ins Trudeln, fing sich und ging dann in einen steilen Sturzflug über, aus dem er nicht mehr abgefangen wurde. Der Kadett öffnete den Gurt und brachte den Haubenöffnungshebel in die offene Stellung, der eigentliche Haubenabwurfmechanismus wurde jedoch nicht ausgelöst; die verbleibende Zeit reichte für ein Verlassen des Luftfahrzeugs nicht aus.
- Beide im Tutor tödlich verletzt: Beide Insassen des Tutor wurden beim nicht überlebbaren Bodenaufprall tödlich verletzt. Der Pilot des Standard Cirrus rettete sich mit dem Fallschirm und blieb unverletzt. Beide Luftfahrzeuge wurden zerstört. Ursächlich war, dass keiner der Piloten den anderen rechtzeitig sah. Beitragend: die medizinisch bedingte Einschränkung des Rundblicks des Tutor-Piloten und die hohe Verkehrsdichte im unkontrollierten Luftraum; das Ausbleiben von Abfangmanövern legt nahe, dass der Tutor-Pilot bei der Kollision handlungsunfähig wurde.