Ventus 2b und Mooney M20J kollidieren: Segelflugpilot rettet sich am Fallschirm
Bei der Kollision mit einer Mooney M20J nahe Auenstein wurde der Pilot eines Ventus 2b leicht verletzt; der Ventus 2b wurde zerstört, die Mooney schwer beschädigt. Der Ventus folgte im Reiseflug auf 1.285 m MSL zwei Seglern westwärts, während die Mooney mit Autopilot in dasselbe Gebiet stieg. Cockpitverstrebung und Magnetkompass verdeckten den Ventus vor der Mooney-Besatzung; der Segelflugpilot sah die Mooney erst peripher auf 50 m. Die Mooney trug kein Kollisionswarnsystem, das FLARM empfing den Mode-S-Transponder nicht. Nach dem Aufprall rollte der Ventus 2b unkontrolliert; der Pilot warf die Haube ab und rettete sich am Rettungsfallschirm.
- Reiseflug westlich der Aare: Um 11:55 Uhr LT startete der Ventus 2b am 6. Juni 2013 im F-Schlepp ab Piste 08 in Birrfeld (LSZF) und klinkte nahe dem Chestenberg auf rund 1100 m MSL aus. Nach dem Aufdrehen auf etwa 1400 m MSL folgte der Pilot zwei weiteren Segelflugzeugen westwärts Richtung Gisliflue, rund 150 bis 200 m unter ihnen. Zur gleichen Zeit war eine Mooney M20J in Lommis zu einem Einweisungsflug gestartet (Fluglehrer rechts, zu überprüfender Pilot links); nach Whiskey und VOR Trasadingen drehte sie bei Linn auf 880 m MSL nach Süden und stieg mit Autopilot weiter, um das Gebiet Birrfeld zu überqueren.
- Sicht der Mooney-Crew 5 s verdeckt: In den letzten mindestens fünf Sekunden vor dem Aufprall war der konvergierende Ventus für die Mooney-Besatzung durch eine Cockpitverstrebung und den darin verbauten Magnetkompass im Sichtfeld verdeckt. Da der Autopilot den Steigflug führte, erkannte die Besatzung den Segler nicht rechtzeitig.
- Flarm sieht Mode-S Mooney nicht: Die Mooney führte ausschliesslich einen Mode-S-Transponder und kein Kollisionswarnsystem mit; das Flarm im Ventus konnte Mode-S-Signale nicht empfangen und gab keine Warnung aus. Die SUST empfahl mit den Sicherheitsempfehlungen Nr. 498 und 499, dass das BAZL kompatible Kollisionswarnsysteme für die allgemeine Luftfahrt standardisiert.
- Beide Besatzungen schauen anderswo: Nach der Überquerung der Aare wandte der Segelflugpilot den Kopf nach Norden, um die Wetterlage über dem Schwarzwald zu beurteilen. Der Ventus flog mit rund 160 km/h Grundgeschwindigkeit, die Mooney mit rund 220 km/h, auf konvergierenden Kursen in ähnlicher Höhe. Etwa eine Minute später erfasste der Segelflugpilot die Mooney peripher in rund 50 m Distanz, Fahrwerk eingefahren, von rechts annähernd — zu nah für ein Ausweichmanöver.
- Zusammenstoß auf 1285 m MSL: Um 12:18:52 Uhr LT kollidierten die beiden Luftfahrzeuge über Auenstein auf 1285 m MSL, der Ventus leicht unterhalb der linken Tragfläche der Mooney. Die Primärstruktur des Ventus wurde so weit beschädigt, dass Höhenruder und Seitenruder keine Wirkung mehr zeigten; an der Mooney wurden die Beplankung der linken Tragfläche und der dortige Integraltank aufgerissen.
- Pilot springt mit Schirm ab: Der Ventus rollte nach rechts und neigte sich nach vorn. Nachdem der Pilot festgestellt hatte, dass Höhenruder und Seitenruder ohne Wirkung blieben, betätigte er auf rund 1200 m MSL den Notabwurfhebel der Kabinenhaube und öffnete das Gurtschloss. Der Segler befand sich bereits in Rückenlage; der Pilot fiel aus dem Cockpit und löste den Rettungsfallschirm aus, der sich sofort öffnete. Er steuerte den Schirm in eine Waldlichtung an der Südflanke der Gisliflue und landete leicht verletzt; rund eine Stunde später wurde er von der Polizei gefunden.
- Ventus zerstört, Mooney landet: Der unbemannte Ventus stürzte in bewaldetes Gelände und wurde zerstört. Die Mooney-Besatzung beendete den Steigflug, meldete sich bei Zürich Information und kehrte nach Lommis zurück; da der Tankwahlschalter auf dem intakten rechten Tank stand, blieb die Treibstoffversorgung trotz des aufgerissenen linken Tanks gewährleistet. Die Mooney landete um 12:55 Uhr LT in Lommis.