DG-808 und DG-500 passieren mit nur 25 m Abstand; beide Crews abgelenkt

St. Moritz, Switzerland DG Flugzeugbau DG-808 C DG Flugzeugbau DG-500/22 ELAN

Eine DG-808 C und eine DG-500/22 ELAN passierten sich auf rund 25 m; wenige Meter trennten die Flügelenden, niemand wurde verletzt. Beide waren im Windenschlepp ab Samedan gestartet und flogen auf Gegenkurs in 3.200 m. Der Pilot der DG-808 verfolgte einen links unter ihm passierenden Duo Discus; der Fluglehrer der DG-500 wies auf die kaum sichtbaren Seile der Corvatsch-Bahn hin. Vor einem Hintergrund aus hellen Wolken und Schneefeldern sahen beide das andere Segelflugzeug erst spät und wichen gleichzeitig nach links aus. Sende- und Empfangsleistung des FLARM-Geräts der DG-500 waren ungenügend; eine Warnung erreichte keine Besatzung.

  1. Reiseflug am Corvatsch-Nordhang: Gegen 17:01 Uhr LT am 16. Juni 2014 flog die DG-808 C (HB-2461, Alleinflug) am Nordhang des Piz Corvatsch in rund 3200 m über Meer mit einer Geschwindigkeit über Grund von 149 km/h in nordöstliche Richtung. Die DG-500/22 ELAN (HB-3097, Pilot und Fluglehrer) flog zur selben Zeit über der Nordflanke des Piz da Staz in rund 3100 m mit 135 km/h in südwestliche Richtung – auf nahezu entgegengesetztem Kurs. Beide waren am Nachmittag im Windenschlepp ab Samedan gestartet, im Rahmen des jährlichen SFVS-Breitenförderungskurses für Alpensegelflug. Eine dritte Maschine, ein Duo Discus, hatte die DG-500 um 17:01:15 Uhr überholt und flog leicht tiefer voraus.
  2. DG-808-Pilot blickt auf Duo Discus: Das Kollisionswarnsystem der DG-808 hatte den Piloten vor einem etwas tiefer fliegenden Segelflugzeug auf konvergierender Bahn gewarnt. Nach Sichtkontakt mit dem Duo Discus korrigierte er den Steuerkurs leicht nach rechts in Richtung Nordwestflanke des Piz Surlej, um Abstand zu schaffen. Anschliessend verfolgte er den unter dem linken Flügel verschwindenden Duo Discus – seine Aufmerksamkeit blieb auf dieses Ziel gerichtet.
  3. DG-500-Besatzung blickt auf Seile: Die Besatzung der DG-500 hatte den Duo Discus rechts voraus und etwas tiefer bereits gesehen. Der Fluglehrer wies den vorderen Piloten auf die schwer erkennbaren, freihängenden Seile bei der Bergstation der Corvatsch-Bahn hin, die links voraus zu sehen waren – die Aufmerksamkeit war damit kurz vor der Begegnung auf ein bodengebundenes Hindernis gerichtet.
  4. DG-500 Flarm sende-/empfangsschwach: Beide Segelflugzeuge waren mit dem Kollisionswarnsystem Flarm ausgerüstet, doch keine Besatzung erhielt eine Warnung vor der entgegenkommenden Maschine. Bereits im Juni 2013 war die eingeschränkte Empfangsreichweite des Flarm-Geräts der DG-500 festgestellt worden; die Sendereichweite galt aufgrund von Beobachtungen anderer Piloten ebenfalls als gering. Im Winter 2013/14 wurde eine neue Dipolantenne eingebaut, die Reichweite jedoch nicht erneut überprüft. Nach dem Vorfall ergab eine Prüfung beim Hersteller, dass sowohl die Sendeleistung als auch die Empfangsempfindlichkeit ungenügend waren. Am Flarm-Gerät der DG-808 zeigten sich keine Mängel.
  5. Heller Wolken-/Schneehintergrund: Die beiden Segelflugzeuge näherten sich vor einem Hintergrund aus hellen Wolken und Schneefeldern an, was den Kontrast und damit die gegenseitige optische Erkennbarkeit verringerte.
  6. Späte gegenseitige Sicht auf ~25 m: Als der Duo Discus unter dem linken Flügel verschwand, blickte der Pilot der DG-808 auf und sah ein zweites Segelflugzeug direkt voraus auf gleicher Höhe, leicht links versetzt und mit hoher Annäherungsgeschwindigkeit. Im selben Moment sah der Pilot der DG-500 bei einem Kontrollblick nach vorn ein Segelflugzeug auf gleicher Höhe leicht rechts versetzt; der Fluglehrer erblickte es zeitgleich.
  7. Beide weichen zeitgleich nach links: Beide Besatzungen leiteten praktisch gleichzeitig ein Ausweichmanöver nach links ein. Der Pilot der DG-808 verfolgte bewusst die rechte Flügelspitze der DG-500 in Bezug zum eigenen Flügelende, um eine mögliche Kollision festzustellen; die Flügelenden passierten in wenigen Metern Abstand. Aus den Flugwegaufzeichnungen ergab sich am engsten Punkt eine horizontale Rumpfdistanz von rund 25 m (±5 m). Alle drei Segelflugzeuge landeten anschliessend ereignislos in Samedan.
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