Holmklebefehler am Duo Discus: linker Außenflügel bricht; Notabsprung

Heppenheim, Germany Schempp-Hirth Duo Discus

Die Besatzung eines Duo Discus rettete sich am Fallschirm, nachdem im Thermikflug nahe Heppenheim der linke Außenflügel brach; Flugzeug schwer beschädigt, keine Verletzten. In ~2 000 m AGL zog der Pilot bei ~150 km/h GS am Höhenruder zum Verzögern; der linke Außenflügel brach am Hauptholm und klappte hoch, der Duo Discus gierte abrupt nach links. Vollausschlag Querruder rechts stabilisierte. Beim Notabsprung ließ sich die seitlich angeschlagene Haube nur mit Mühe öffnen und löste sich nicht vom Rumpf. An der Bruchstelle fand sich ein Klebefehler zwischen Holmsteg und Obergurt — Klebefläche spiegelglatt.

  1. F-Schlepp und Thermikflug bei Heppenheim: Der Duo Discus startete im F-Schlepp mit zwei lizenzierten Segelflugzeugführern an Bord (Pilot vorne ~500 h gesamt) und befand sich gegen 16:30 Uhr im Thermikflug bei Heppenheim, CAVOK. Kein Wasserballast.
  2. Fabrikneu; Pilot erstmals auf Muster: Das Flugzeug (Werknummer 387) war am 11. Juli 2003 — zwei Wochen vor dem Unfall — zugelassen worden und hatte erst 16 Starts, 15 Landungen und 18 Flugstunden, sämtlich im F-Schlepp mit zwei Insassen. Der Unfallflug war der erste Flug des vorderen Piloten auf dem Muster Duo Discus.
  3. Klebefehler Holmsteg/Obergurt: Die nachträgliche Untersuchung der Bruchstelle ergab einen Klebefehler zwischen dem GFK-I-Steg des Hauptholms und dem oberen CFK-Holmgurt. Die abgelöste Klebefläche war spiegelglatt ohne Gewebeprägung — ein Hinweis auf ein Versagen der Klebung statt einer Strukturüberlast. Der Lastpfad durch die Holmsteg/Obergurt-Verbindung war damit ab Fertigung kompromittiert.
  4. Linker Außenflügel bricht beim Verzögern: Im Geradeausflug westwärts in ~2 000 m AGL und mit ~150 km/h GS zog der Pilot am Höhenruder, um zu verzögern. Beim Höhenrudereinsatz brach der linke Außenflügel am Hauptholm 10-30 cm außerhalb des Querruderantriebs.
  5. Bruchstück klappt hoch; Linksgieren: Das Bruchstück des Außenflügels klappte nach oben, der Duo Discus gierte und rollte aufgrund der unsymmetrischen Widerstands- und Auftriebsverteilung abrupt nach links.
  6. Querruder rechts voll stabilisiert: Der Pilot vorne setzte Vollausschlag des Querruders nach rechts und konnte das beschädigte Flugzeug soweit stabilisieren, dass ein unkontrollierter Flugzustand vermieden und der Besatzung ein Aussteigen ermöglicht wurde.
  7. Notabsprung; Haube löst sich nicht: Beide Insassen entschieden sich zum Notabsprung. Die große seitlich angeschlagene Haube des Duo Discus soll im Notfall an Sollbruchstellen an den rechten Scharnieren abgehen. Am Wrack war der vordere Zapfen verbogen und der hintere Beschlag aus dem Haubenrahmen herausgebrochen, die Haube selbst trennte sich aber nicht vom Rumpf und ließ sich nur mit großer Kraft im Flug aufstemmen. Beide Insassen kamen mit ihren Notfallschirmen erfolgreich heraus.
  8. Beide unverletzt; Wrack im Stadtwald: Beide Insassen landeten unverletzt am Fallschirm. Der Duo Discus stürzte in den Stadtwald von Lampertheim — der rechte Tragflügel hing im Geäst, der Rumpf lag nasenwärts unten mit aufgerichteter Rumpfröhre, das Bruchstück des linken Tragflügels und das linke Querruder etwas entfernt. Flugzeug schwer beschädigt; geringer Forstschaden.
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