Discus 2b überzieht nach Windenstart ohne Flächenmann

Hoya, Germany Schempp-Hirth Discus 2b

Kurz nach einem Windenstart in Hoya erlitt der Pilot eines Discus 2b einen Strömungsabriss; er wurde schwer verletzt, das Segelflugzeug zerstört. Ohne Helfer startete der Pilot allein und legte den rechten Flügel auf eine ~50 cm hohe Klappbank — die Flügel ließen sich nicht waagerecht ausrichten. Bei böigem Seitenwind von rechts (Spitzen ~33 km/h) rollte der Discus 2b nach dem Abheben um die Längsachse nach rechts und kippte aus geringer Höhe ab; ~100 m von der Startstelle entfernt prallte er in Rückenlage auf. Ursache war ein Steigflug unterhalb der Überziehgeschwindigkeit, begünstigt durch die einseitige Flügelauflage und den Seitenwind.

  1. Windenstart von Grasbahn Piste 12: Gegen 10:50 Uhr Ortszeit bereitete der Pilot einen Windenstart in Startrichtung 12 auf der 900 m langen, 20 m breiten Grasbahn des Segelflugplatzes Hoya vor. Geplant war ein längerer Streckenflug auf einem einsitzigen Schempp-Hirth Discus 2b. Der Pilot besaß die Lehrberechtigung, hatte ~2 363 h Gesamterfahrung und 940 h auf dem Muster, in den letzten 90 Tagen 54 Windenstarts. ~50 l Wasserballast waren angekündigt, wurden aber von Zeugen nicht beobachtet und am Wrack nicht festgestellt. Der erfahrene Windenfahrer bezeichnete den Startbeginn als normal.
  2. Böiger Seitenwind von rechts: Der Bodenwind an der Startstelle kam aus Ost mit ~8-10 kt und war böig; die nahegelegenen Wetterstationen meldeten Mittelwerte von 12 kt und Spitzen um 18 kt (~33 km/h) aus 090-120°. Mit Piste 12 (Ausrichtung 120°) ergab sich daraus ein Seitenwind von rechts, der beim Anrollen zu berücksichtigen war.
  3. Kein Flächenmann; Flügel auf Bank: An der Startstelle stand kein Helfer zur Verfügung, und der Pilot entschied sich für den Start ohne Flächenmann. Als Ersatz für den von Vereinsbetriebsordnung und Flughandbuch geforderten Flügelhalter wurde der rechte Tragflügel auf einer improvisierten, ~50 cm hohen Klappbank abgelegt. Eine waagerechte Position der Flügel ließ sich so nicht erreichen; daraus folgte eine Lastigkeit nach rechts, die beim zügigen Anschleppen mit dem Querruder zu kompensieren war.
  4. Rechtsroll nach dem Abheben: Zeugen beobachteten, wie der Discus 2b unmittelbar nach dem Abheben um die Längsachse nach rechts rollte. Eine Bodenberührung der rechten Tragfläche nach dem Verlassen der Klappbank wurde als wahrscheinlich eingestuft; sie hätte ein einseitiges Bremsmoment und eine asymmetrische Auftriebsverteilung erzeugt.
  5. Strömungsabriss aus geringer Höhe: Aus geringer Höhe geriet das Segelflugzeug in eine Steigfluglage, in der die Überziehgeschwindigkeit unterschritten wurde. Es kam zum Strömungsabriss, und der Discus 2b kippte über die rechte Tragfläche. Technische Mängel am Luftfahrzeug oder an der Winde wurden nicht festgestellt; Beeinträchtigungen der Steuerführung waren nicht erkennbar.
  6. Rückenlage-Aufprall ~100 m entfernt: Der Discus 2b prallte mit leichter Längsneigung in Rückenlage rund 100 m von der Startstelle entfernt auf ein angrenzendes Wiesengrundstück hinter der südlichen Platzgrenze. Das Windenseil war noch am Luftfahrzeug, die Kabinenhaube zertrümmert, der Rumpf in der Mitte abgedreht. Der Pilot wurde schwer verletzt geborgen; das Segelflugzeug wurde zerstört.
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