Windenseil löst sich nicht, Kappvorrichtung versagt: ASW 19 wird zu Boden gerissen
Nach einem missglückten Windenstart in Kirn blieb der Pilot einer ASW 19 unverletzt; das Segelflugzeug wurde schwer beschädigt. Am Ausklinkpunkt löste sich das Windenseil nicht: das Doppelringpaar war neben der Kupplungsöffnung verhakt — bei optischer Kontrolle erkennbar. Auch die Kappvorrichtung versagte; Mängel an der Seilkappanlage waren Monate zuvor bei einer Nachprüfung dokumentiert. Der Pilot blieb nahe der Winde, um das Seil schlaff zu halten. Beim niedrigen Anflug verfing sich das Seil in einer Buschgruppe und riss die ASW 19 aus etwa 5 m zu Boden; die Rumpfröhre brach vor dem Leitwerksträger.
- Windenstart von Piste 14: Um 12:45 Uhr Ortszeit begann eine einsitzige ASW 19 einen Windenstart von Piste 14 des Segelfluggeländes Kirn. Zeugen beobachteten einen normalen Windenstart bis zur Ausklinkhöhe. Der Wind wehte mit ca. sechs Knoten aus 300°, es herrschten Sichtflugbedingungen, keine weiteren Luftfahrzeuge waren beteiligt. Der Pilot besaß einen Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer mit Berechtigungen für Windenstart, Flugzeugschlepp und Selbststart sowie rund 800 Flugstunden Gesamterfahrung (ca. 300 Stunden auf der ASW 19).
- Ringpaar neben Kupplung verhakt: Die Rekonstruktion der Einkuppelsituation durch die BFU ergab, dass das Doppelringpaar in einem Spalt neben der eigentlichen Kupplungsöffnung verhakt werden konnte. Diese Fehlverbindung wäre bei einer Kuppelprobe oder einer sachkundigen optischen Kontrolle der Ringposition vor dem Start feststellbar gewesen und verhinderte das normale Auslösen der Kupplung.
- Windenseil löst sich nicht: Beim Erreichen der Ausklinkhöhe beendete der Windenfahrer den Schleppvorgang und erwartete das Ausklinken. Pilot, Bodenpersonal und Windenfahrer beobachteten, dass sich das Windenseil nicht aus der Schleppkupplung des Segelflugzeuges löste. Der Pilot schilderte über Flugfunk seine Lage und forderte den Flugleiter auf, das Seil zu kappen.
- Kappvorrichtung versagt: Der Windenfahrer betätigte die Kappvorrichtung, doch sie durchtrennte das Windenseil nicht. Die letzte periodische Nachprüfung der Startwinde RP-8135 am 25. März 2012 hatte Mängel an der Seilkappanlage festgestellt. Dem Piloten wurde über Flugfunk mitgeteilt, dass ein Kappen des Seiles nicht möglich sei.
- Seil im Busch, aus 5 m zu Boden: Da das Windenseil nicht zu lösen war, versuchte der Pilot, in der Nähe der Winde zu bleiben, damit sich das angehängte Seil nicht straffte und die ASW 19 nach unten zog. Beim niedrigen Anflug zurück zur Piste verfing sich das noch angehängte Windenseil in einer Buschgruppe nahe dem Pistenende, und das Segelflugzeug wurde aus etwa 5 m über Grund schlagartig zu Boden gerissen.
- Rumpfröhre bricht, Pilot unverletzt: Beim Aufprall brach die Rumpfröhre vor dem Leitwerksträger. Der Pilot blieb unverletzt. Beim anschließenden Ausrollen löste sich das Windenseil von selbst aus der Schleppkupplung.