L-Spatz 55 setzt im Windenstart Flügel auf und kippt in Messerfluglage
Beim Windenstart in Oschatz verunglückte der Pilot eines L-Spatz 55 tödlich; das Segelflugzeug wurde zerstört. Kurz nach dem Anrollen senkte sich die rechte Tragfläche und berührte den Boden. Das Segelflugzeug brach nach rechts aus und bäumte sich auf rund 10 m auf. Die Schräglage wuchs bis in die Messerfluglage; 38 m neben der Startgrundlinie setzte der rechte Randbogen erneut auf. In starker Rechtsdrehung prallte der Rumpfbug auf. Der Pilot verfügte bei 954 h Gesamtflugerfahrung erst über 12 Minuten auf dem Muster.
- Windenstart Bahn 245°, 14:21 Uhr: Gegen Mittag des 12. April 2015 wurde der L-Spatz 55 vom Eigentümer und einem zweiten Piloten auf dem Sonderlandeplatz Oschatz (EDOQ) für den Flugbetrieb vorbereitet. Der Eigentümer führte um 13:38 und 14:02 Uhr zwei Windenstarts ohne Auffälligkeiten durch. Um 14:21 Uhr begann der andere Pilot einen Windenstart auf dem Segelfluggelände in Richtung 245°. Der Wind kam aus 230° mit 4 kt, die Sicht lag über 10 km; die Bewuchshöhe im Startbereich betrug etwa 3 cm.
- 12 min auf Muster, 40 min/90 Tage: Der Pilot besaß einen Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer mit den Berechtigungen für Windenstart und Schleppstart und hatte eine Gesamtflugerfahrung von 954 Stunden. Auf dem L-Spatz 55 lagen aus zwei vorherigen Starts lediglich 12 Minuten vor; in den letzten 90 Tagen absolvierte er sechs Segelflugstarts mit insgesamt 40 Minuten Flugzeit. Am Vortag fand ein Überprüfungsstart mit Fluglehrer auf einem doppelsitzigen Segelflugzeug statt.
- Rechte Tragfläche setzt auf: Kurz nach dem Anrollen beobachteten Zeugen, wie sich die rechte Tragfläche neigte und der Randbogen den Boden berührte. In Startposition befindet sich das Flächenende des L-Spatz 55 etwa 1,2 m über dem Boden.
- Rechtsausbruch, Aufbäumen auf 10 m: Nach der Bodenberührung des Randbogens brach das Segelflugzeug leicht nach rechts aus und bäumte sich gleichzeitig auf. Es hob ab und stieg am Schleppseil auf etwa 10 m über Grund.
- Messerfluglage, 2. Bodenberührung: Zeugen beschrieben eine starke Schräglagenvergrößerung bis in die Messerfluglage. Etwa 38 m neben der Startgrundlinie und 42 m von der Startstelle entfernt berührte der rechte Randbogen ein zweites Mal den Boden.
- Rumpfbug prallt auf, Pilot stirbt: Mit einer starken Rechtsdrehung prallte der Rumpfbug auf den Boden. Der L-Spatz 55 kam auf dem Rücken im Bereich der Motorflugbahn zur Endlage; das Ringpaar des Schleppseils war ausgeklinkt und lag etwa 6 m vom Wrack entfernt. Der Pilot erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. An den Ruderanschlüssen ergaben sich keine Hinweise auf technische Mängel; die Obduktion zeigte keine Hinweise auf eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit beim Windenstart.