A319 weicht Ventus-2cM in FL 100 aus; Transponder aus, TCAS blind

Heilbronn, Germany Airbus A319 Schempp-Hirth Ventus-2cM

Bei einer Beinahe-Kollision nahe Heilbronn in FL 100 blieben die Insassen eines Airbus A319 und eines Ventus-2cM unverletzt; es entstand kein Schaden. An der Luftraumgrenze E/C näherten sich der A319 im IFR-Sinkflug und der VFR-Ventus-2cM. Der Copilot sah den Ventus voraus auf gleicher Höhe, deaktivierte den Autopiloten und drehte von 213° auf etwa 200° nach links; der Pilot des Ventus wich nach rechts aus. Der geringste Abstand betrug rund 0,9 km. Da der Transponder des Ventus nicht aktiviert war, zeigte das Primärradar nur ein zeitweiliges Echo und das TCAS erhielt keine Daten.

  1. A319 erhält IFR-Freigabe auf FL 100: Um 16:03 Uhr erteilt Langen Radar einem Airbus A319 (Berlin-Tegel → Stuttgart, 5 Besatzungsmitglieder, 131 Passagiere) die Freigabe, mit rund 250 KCAS auf FL 100 zu sinken. Diese Flugfläche ist zugleich die höchste nutzbare in Luftraum E und die niedrigste in Luftraum C.
  2. Transponder des Ventus aus: Der Ventus-2cM fliegt nach VFR mit eingeklapptem Triebwerk. Er führt einen Transponder mit, der jedoch nicht aktiviert ist, obwohl oberhalb 5 000 ft AMSL für motorgetriebene Luftfahrzeuge Transponderpflicht besteht. Das Primärradar der Flugsicherung zeigt nur ein zeitweiliges Echo, das TCAS des A319 erhält keine Daten zum Ventus.
  3. FL 100 = Luftraumgrenze E/C: In Luftraum E werden IFR-Flüge nur gegen andere IFR-Flüge gestaffelt, nicht gegen VFR-Verkehr; der Lotse könnte dem A319 nur Verkehrsinformationen zu sichtbarem VFR-Verkehr geben. Ohne Transponderecho bleibt jede Warnung aus.
  4. Copilot sichtet Ventus voraus: Um ca. 16:05:12 Uhr meldet die Besatzung: „[…] at twelve o'clock, same altitude a glider in eh level one-hundred.“ Der Copilot sichtet das Segelflugzeug auf ähnlichem Steuerkurs voraus; der verantwortliche Pilot bekommt es erst in Sicht, als das Ausweichmanöver bereits läuft.
  5. A319 dreht links 213° → ~200°: Um 16:05:05 Uhr deaktiviert der Copilot den Autopiloten und leitet eine Linkskurve von ca. 213° auf ca. 200° ein; FL 100 wird gehalten, die Geschwindigkeit beträgt rund 250 KCAS. Der Lotse antwortet: „any turn approved, you may climb as well, no traffic above.“
  6. Ventus-Pilot dreht nach rechts: Der Pilot des Ventus sieht das in Richtung Stuttgart-Echterdingen fliegende Verkehrsflugzeug und dreht nach rechts. Den geringsten Abstand schätzt er auf 300 bis 500 m und nimmt keine Gefahr wahr. Die A319-Besatzung meldet, das Segelflugzeug rechts passiert zu haben.
  7. Annäherung auf ~0,9 km; beide landen: Die A319-Besatzung gibt den geringsten Abstand mit ca. 0,5 NM (~0,9 km) an. Der A319 landet anschließend in Stuttgart, der Ventus setzt seinen Flug zum Flugplatz Hahnweide fort und landet dort. Es gibt keine Verletzten und keinen Sachschaden. Laut Kapitän wäre es ohne die Linkskurve zur Kollision mit dem Segelflugzeug gekommen.
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