Bocian lässt sich in Trudelübung nicht ausleiten; Besatzung springt ab

Langhennersdorf, Germany SZD SZD-9 Bocian

Bei einer Trudelübung in Langhennersdorf wurden Fluglehrer und Flugschüler einer SZD-9 Bocian unter Rettungsfallschirmen leicht verletzt; das Segelflugzeug wurde zerstört. Nach dem Ausklinken aus dem Schlepp auf 800 m wurde ein Linkstrudel eingeleitet. Der Schüler versuchte auszuleiten; die Bocian reagierte nicht. Der Fluglehrer gab ebenfalls rechtes Seitenruder, ohne Erfolg. Nach fünf bis sechs Trudelumdrehungen befahl der Fluglehrer auf 400 m den Notausstieg. Der Schüler warf die Kabinenhaube ab; beide verließen die Bocian über die Rumpfseiten. Technische Mängel wurden nicht festgestellt.

  1. Flugzeugschlepp, Ausklinken auf 800 m: Die SZD-9 Bocian startete um 14:45 Uhr vom Flugplatz Langhennersdorf zu einer planmäßigen Trudelübung (Lehrplan 1.10.1 "Trudeln erkennen und ausleiten"). Das Schleppseil wurde auf 800 m ausgeklinkt. Das Flugzeug war von einem benachbarten Verein geliehen, da der Heimatverein seine eigene Bocian 2012 verkauft hatte.
  2. Geringe Rezenzerfahrung des Fluglehrers: Der Fluglehrer verfügte über 888 Stunden Gesamtflugerfahrung und 132 Stunden auf der Bocian mit 810 Starts auf dem Muster. hatte er die Bocian jedoch seit etwa drei Jahren nicht mehr geflogen; in den letzten 90 Tagen absolvierte er lediglich 9 Flüge auf dem Muster. Im Jahr 2015 hatte er je eine Trudelübung auf Twin-Astir und Vivat durchgeführt, nicht auf der Bocian.
  3. Sehr geringe Erfahrung des Flugschülers: Der Flugschüler hatte insgesamt etwa 4 Stunden Flugerfahrung aus 32 Starts, darunter 5 Starts und 36 Minuten auf der SZD-9 Bocian.
  4. Trudeleinleitung mit linkem Seitenruder: Nach Kontrollrunden und dem Übergang zum Langsamflug wurde das Trudeln durch Betätigung des linken Seitenruders eingeleitet. Zum tatsächlichen Auslösen des Seitenruderimpulses machten Fluglehrer und Flugschüler widersprüchliche Angaben.
  5. Ausleiteingaben ohne Wirkung: Nach einer Trudelumdrehung betätigte der Flugschüler das rechte Seitenruder gegen die Drehrichtung und drückte den Steuerknüppel vor. Die Bocian reagierte nicht. Der Fluglehrer gab daraufhin ebenfalls rechtes Seitenruder; das Flugzeug setzte die Drehbewegung fort.
  6. Notausstieg auf 400 m befohlen: Nach etwa 5–6 Trudelumdrehungen befahl der Fluglehrer auf rund 400 m über Grund den Notausstieg. Der Flugschüler warf die vordere Kabinenhaube ab. Als die Rotation nachzulassen begann, verließen beide Besatzungsmitglieder das Flugzeug über die Rumpfseiten und betätigten ihre Rettungsfallschirme.
  7. Beide sicher gelandet; Bocian zerstört: Beide Besatzungsmitglieder landeten mit ihren Rettungsfallschirmen neben der Ortsdurchfahrtsstraße und erlitten leichte Verletzungen. Die führerlose Bocian kam etwa 250 m vom abgeworfenen Kabinenhaube entfernt auf dem Rücken auf einem zerstörten Baum in einem Privatgarten zur Ruhe. Eine technische Untersuchung der Steueranlage ergab keine Mängel.
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