ASK 21 harte Landung nach Windenleistungs-Rückgang — Geräusch als Seilriss gedeutet
Bei einer harten Landung im zweiten Windenstart in Rheinstetten wurden beide Insassen einer ASK 21 schwer verletzt; das Segelflugzeug wurde beschädigt. Nach nur geringem Höhengewinn hörte der Windenfahrer ein lautes Geräusch, deutete es als Seilriss und reduzierte die Leistung. Die Spannung fiel ab; das Windenseil löste sich vom Segelflugzeug, das vom flachen Steigflug in einen steilen Sinkflug überging und rund 213 m vom Start mit dem Bugrad auf der Bahn aufschlug. Nach dem Unfall waren Windenseil, Fallschirm, Sollbruchstelle und Vorseil intakt vor der Winde aufgefunden — das Seil war nicht tatsächlich gerissen.
- Zweiter Windenstart des Tages: ASK 21 (Baujahr 1983, 600 kg MTOM) für einen geplanten ~30-minütigen lokalen Übungsflug ab dem Segelfluggelände Rheinstetten. Pilot (59 Jahre, LAPL(S), 1.624 h Gesamtzeit, ~300 h auf dem Muster, über 400 Windenstarts). Der erste Windenstart desselben Tages war normal verlaufen (Ausklinken bei ~300 m, keine Thermik gefunden, Landung in Gegenrichtung). Zweiter Start begann um 15:34:40 Uhr mit einer elektrischen Ulbrich ESW-2B-Winde (5-mm-Dyneema-Seil, ~600 m bis zum Startpunkt). Wind aus 040° mit 5 km/h, 28 °C.
- Gefährliche Niedrigphase beim Start: Die BFU weist in früheren Sicherheitsveröffentlichungen (V39/1985, V63/1987, V92/1991, V139/1995) darauf hin, dass Windenstart-Unterbrechungen in der Anfangssteigphase besonders gefährlich sind. Statistik V92 (1991): Startunterbrechungen machen 12 % aller Segelflugzeug-Unfälle, 26 % der tödlichen und 28 % der Schwerverletztenfälle aus. Der Pilot tätigte zu Beginn nur wenige Steuerausschläge; das Segelflugzeug gewann kaum Höhe und stellte das Steigen ein.
- Windenbetreiber reduziert Leistung: Der Windenbetreiber hörte ein lautes Geräusch aus der Winde, deutete es als Seilriss und zog den Leistungsregler etwas zurück — wodurch der Seilvorzug in der niedrigen Anfangssteigphase verringert wurde.
- Seilspannung fällt, Seil löst sich: Mit dem verringerten Seilvorzug wurde das Seil schlaff; das Seilfalllschirmchen entfaltete sich und das Seil trennte sich vom Segelflugzeug. Der Startleiter, der den Start beobachtete und das Fallschirmchen sah, rief dem Windenbetreiber „Halt, stopp“ zu; dieser zog den Gashebel vollständig zurück (die Winde bremste daraufhin automatisch).
- Steiler Sinkflug, kein Abfangen: Der Pilot schilderte, dass das Segelflugzeug nach dem Seilabwurf sehr steil in Richtung Boden gegangen sei und er den Sinkflug vor dem Bodenkontakt nicht mehr habe abfangen können. Der Mitfluggast beschrieb, dass das Segelflugzeug aufgehört habe zu steigen, dann die Nase gefallen und es steil hinuntergeflogen sei.
- Bugradaufprall ~213 m vom Start: Erste Bodenberührung auf dem Bugrad ~213 m vom Startpunkt entfernt, mit einer 6 m langen Schleifpur. Eine zweite Bodenberührung 22 m weiter, dann eine 115 m lange kurvenförmige Rollspur bis zur Endlage 137 m weiter. Beide Insassen schwer verletzt. Schäden: Risse in der Hauptradverkleidung; alle Steuerorgane vorhanden und funktionsfähig; keine strukturellen Schäden. Nachuntersuchung: Abflugwindenseil, Falllschirm, Sollbruchglied (Status „schwarz“) und Vorseil mit Doppelringpaarung lagen vor der Winde — das Seil war nicht gerissen.