Olympia-Meise: Höhenruder beim Aufrüsten nicht angeschlossen, Absturz nach Windenstart

Gelnhausen, Germany DFS Olympia Meise

Nach einem Windenstart in Gelnhausen wurde der Pilot einer Olympia-Meise tödlich verletzt; das Segelflugzeug wurde zerstört. Beim morgendlichen Aufrüsten mit mehreren Helfern und Unterbrechungen wurde die Höhenrudersteuerung nicht angeschlossen; eine Checkliste lag nicht vor, und kein Zeuge erinnerte sich an den Anschluss. Auf Piste 25 stieg das Flugzeug ohne Höhenrudersteuerung flach und trieb mit Südwestwind nach rechts. Der Windenfahrer erkannte den ungenügenden Steigflug und reduzierte die Leistung; das Seil löste sich in rund 80–100 m AGL. In konstanter Rechtskurve flog das Flugzeug in die Bäume nördlich der Piste.

  1. Morgendlicher Aufbau bei Oldtimerwoche: Olympia-Meise (Amateurbau 1956, MTOM 290 kg, gesamt 1.739 h) wurde zu Beginn der 'Oldtimer-Flugwoche' (03.–10.09.2022) von Großenhausen per Anhänger nach Gelnhausen gebracht. Pilot 81 Jahre alt, LAPL(S) (Motorsegler + Segelflug + TMG + Winde + F-Schlepp + Eigenstart) und LAPL(A); Klasse LAPL medizinisch gültig (VML). Insgesamt ca. 1.601 h / 4.459 Starts; rund 11 h auf dieser Olympia-Meise verteilt auf 4 Windenstarts 2019–2022. Das Segelflugzeug wurde westlich des Hangars am Startpunkt Piste 25 vom Piloten gemeinsam mit mindestens 5 weiteren Helfern aufgerüstet — Gast- und ortsansässige Piloten sowie Vereinshelfer — mit mehrfachen Unterbrechungen und Ablenkungen. Parallel wurde eine Ka 2b aufgerüstet.
  2. Mehrere Helfer, viele Unterbrechungen: Laut BFU-Zeugenbefragungen beteiligten sich mindestens 5 Helfer (darunter ortsfremde Gäste) am Aufrüsten mit mehrfachen Unterbrechungen und Ablenkungen. Kein Zeuge erinnerte sich daran, den Anschluss des Höhenruder-Gestänges mitgemacht oder bestätigt zu haben. Der Anschluss des Höhenruders der Olympia-Meise erfordert das Durchgreifen durch ein 85 mm großes Handloch, das Lösen eines Federbolzens und dessen Einrasten in die Seillasche bis 'Stellung 3' — fummelig, kraftaufwendig, am besten zu zweit (eine Person hebt das Höhenruder).
  3. Höhenrudergestänge nicht angeschlossen: Nachunfalluntersuchung der BFU: Die Seillasche wurde gelöst vom Höhenruderhorn im hinteren Rumpf liegend gefunden. Der Federbolzen befand sich in eingedrückter Position (Stellung 2) ohne Eingriff in die Seillasche und ohne Drahtsicherung. BFU-Versuche zeigten, dass der Bolzen versehentlich in die falsche 'Stellung 4' gedrückt werden kann und dann optisch eingerastet erscheint, jedoch tastbar erkennbar bleibt, da er die Steuerstellung (Stellung 3) nicht erreicht. Die Handlochabdeckung am Höhenruder war geschlossen, aber nicht mit Klebeband gesichert (wie im Verein sonst üblich).
  4. Steuercheck nicht wirksam: Das Flughandbuch verlangt vor jedem Flug die Prüfung aller Ruderanschlüsse, der Steuergängigkeit und der Funktion. Kein Zeuge sah einen vollständigen Steuercheck. Der Startleiter beobachtete Querruderbewegungen beim Start, doch eine vollständige Prüfung aller Steuerflächen wurde nicht wirksam durchgeführt. Es wurde keine Checkliste verwendet. EU-MA/ML-Regeln und SAO.GEN.130 weisen die Verantwortung für die Vorflugkontrolle dem PIC zu.
  5. Windenstart ohne Höhenruder-Wirkung: Start um 13:03 Ortszeit auf Piste 25 (072°/252°, 840×25 m Gras), Wind aus SW, maximale Windenstartgeschwindigkeit 80 km/h nach Muster. Nach dem Abheben: normaler bis flacher Anfangssteigflug. Der Pilot korrigierte den Wind nicht mit Vorhalten; der SW-Wind versetzte das Segelflugzeug nach rechts (Norden). Die Längsneigung blieb flacher als üblich.
  6. Seil löst in ca. 80–100 m aus: Der Windenfahrer (67 Jahre, seit 2016 berechtigt, erfahren und 'sehr besonnen') berichtete, das Segelflugzeug habe 'nicht richtig in die Winde gefasst' — die Windendrehzahl stieg weiter an. Als das Segelflugzeug in ca. 80–100 m über Grund war und nicht weiter steigerte, reduzierte er die Windenleistung schrittweise auf Leerlauf. Anschließend löste das Seil über die Schwerpunktkupplung aus (Rückausklinkung); der Seilfallschirm öffnete und das Seil verlangsamte.
  7. Rechtsdrift Richtung Bäume: Laut Sachverständigenzeugen behielt das Segelflugzeug die bereits eingenommene leichte Rechtsneigung, senkte die Nase und ging gleichmäßig in einen leichten Gleitflug mit mäßiger Beschleunigung über. Es flog in stetiger Rechtskurve mit leichter Rechtsneigung weiter auf die Begrenzungsbäume nördlich der Piste zu. Zwischen Abheben und Aufprall wurden weder Funksprüche noch erkennbare Steuereingaben beobachtet.
  8. Baumberührung, Aufprall, tödlich: Unfallstelle rund 950 m vom Startpunkt entfernt, ca. 170 m nördlich der Verlängerung von Piste 25. Wrackverteilung 26 m auf Kurs 280° durch mehrere Baumkronen am Rand eines kleinen Waldes parallel zur Piste 25. Cockpit und Höhenleitwerk getrennt; Rumpf in Flugrichtung auf dem Waldboden. Pilot tödlich verletzt. Der 4-Punkt-Gurt wurde aus seiner Verankerung gerissen, ohne den Piloten zu halten.
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