Standard Cirrus: Strömungsabriss im Rückkehrversuch nach Seilriss
Nach Strömungsabriss im Rückkehrversuch nach Seilriss in Bad Wildungen wurde der Pilot eines Standard Cirrus tödlich verletzt; das Segelflugzeug wurde zerstört. Der Pilot stieg im Windenstart auf Piste 01 in einem steilen Kavalierstart entgegen den Vorgaben des Flughandbuchs. In rund 70 m AGL versagte die Sollbruchstelle (blau, 600 daN — über dem zulässigen Wert von 550 daN). Er brachte das Flugzeug horizontal und leitete rund zwei Sekunden später eine Linkskurve mit 49 m Radius ein. Nach etwa 180° kam es zum Strömungsabriss und Aufschlag auf einem Feld. Im Motorflug war er erfahren, hatte aber nur rund 3 h Segelflug, davon 20 min auf Muster.
- Windenstart auf Piste 01: Burkard Grob Standard Cirrus (Baujahr 1975, gesamt 2.183 h / 1.515 Starts; ARC gültig; letzte Wartung 01.05.2023; Halter seit Oktober 2022). Windenstart um 13:06 Ortszeit von Piste 01 (012°) des Segelfluggeländes 'Auf der Schaufel' (310 m AMSL, 600×30 m Gras, ca. 1.000 m Windenstrecke). Wetter: sommerlich, NE-Wind etwa 19 km/h.
- 59 J., ca. 3 h Segelflug: Pilot 59 Jahre alt. EASA SPL (Part-FCL) für Segelflugzeuge + TMG seit 19.09.2021. Außerdem LAPL(A) seit 1967 (SEP + TMG + Nacht) sowie UL-/Hängegleiter-Lizenz. Klasse LAPL medizinisch gültig (VML). Flugerfahrung laut Flugbuch: motorisiert SEP 216:49 h / 264 Starts; TMG 42:56 h / 75 Starts; Ultraleicht 16:46 h / 44 Starts; Segelflug nur 3:13 h / 44 Starts (Ausbildung auf ASK 21 / K 13); auf dem Muster (Standard Cirrus): 20 min / 3 Starts. Letzte 30 Tage: 3 Segelflugstarts.
- Steiler Steigflug wider Handbuch: Zeugen beschrieben den Start als 'Kavalierstart' — das Segelflugzeug nahm kurz nach dem Abheben eine steile Steiglage ein. Das Flughandbuch des Standard Cirrus (Ausgabe November 1969, LBA-zugelassen) verlangt beim Windenstart ausdrücklich, das Höhenruder 'leicht gedrückt — nie gezogen' zu halten.
- Seilriss in ca. 70 m über Grund: In etwa 70 m über Grund riss die Sollbruchstelle des Startseils. FLARM: maximale erreichte Höhe 113 m über Grund; Steigrate deutlich reduziert bei 109 m über Grund (Rissstelle). Die geborgene Sollbruchstelle wurde rund 160 m vom Startpunkt auf Piste 01 gefunden: farbcodiert blau, 600±60 daN — oberhalb der für dieses Segelflugzeug im Handbuch zugelassenen Höchstlast von 550 daN.
- Abfangen, dann Linkskurve: Laut Zeugen und FLARM: das Segelflugzeug wurde zunächst bei geringer Fahrt in eine waagerechte Lage gebracht. Etwa 2 Sekunden nach dem Seilriss leitete der Pilot eine Linkskurve mit 49 m Radius ein, offenbar mit der Absicht, eine verkürzte Platzrunde zurück zum Flugplatz zu fliegen.
- Abkippen nach 180° Kursänderung: Nach etwa 180° Kursänderung kam es zum Strömungsabriss (Abkippen über eine Tragfläche) und einer halben trudelähnlichen Drehung, bevor das Segelflugzeug rund 90 m westlich und 260 m nordnordwestlich des Startpunkts auf einem Feld aufschlug. Letztes FLARM-Signal in 62 m über Grund.
- Zerstört, Pilot tödlich verletzt: Wrack: Rumpfnase bis zu den Tragflächen zerstört; beide Tragflächenvorderkanten zeigten Bodenkontakteindrücke; linke Fläche am Rumpfübergang gebrochen; Leitwerk vom Rumpf abgetrennt. Steuerflächen blieben angeschlossen. Pilot tödlich verletzt. Der Windenfahrer meldete keine Auffälligkeit während des Starts. Die BFU verweist auf vier frühere FUS-/BFU-Sicherheitsmitteilungen zu Startunterbrechungen (V39/1985, V63/1987, V92/1991, V139/1995).